Tagebuch Februar 2014

Freitag, 14. Februar 2012

Schon wieder Der bleiche König. Immer noch Der bleiche König. Ein irres Buch. Absolut rücksichtslos. Wie die Homepage von Herzog & de Meuron (www.herzogdemeuron.com): Ich bin der König. Wer etwas von will, soll sich bemühen!

Zeit braucht das Buch, vermutlich mehr als ein Literatur(club)kritiker, der darüber zu urteilen hat, dafür einsetzen kann. Es ist darauf angelegt, dass man sich im Gewebe verheddert und sich immer wieder freistrampeln muss. Man sehnt sich nach dem Kapitelende und möchte doch, dass das Buch nie aufhört.
 

Donnerstag, 20. Februar 2014

Max Frisch wundert sich mit 62 Jahren, «kein körperliches Gefühl davon» zu haben, «dass es in wenigen Jahren zu Ende ist». (Aus dem Berliner Journal, Berlin: Suhrkamp 2014, S. 56). So was von schriftstellerndem Hypochonder! Gestorben ist er mit 80.

Besorgt hab ich mir das aus Frischs Nachlass veröffentlichte «Berliner Journal», auf das ich überhaupt nicht spitz war, wegen eines einzelnen Satzes – immer diese herausgepickten Sätze! –, über den ich beim Stöbern in der Buchhandlung gestolpert bin und den ich jetzt nicht mehr finde. Er muss auf einer ansonsten leeren Seite gestanden haben. Er lautete: «Ich falle mir schwer.»
 

Freitag, 21. Februar 2014

Das mit dem einen Satz («Ich falle mir schwer») auf der separaten Frisch-Seite (vgl. 20. Febr.) war ein Irrtum, eine Wunsch-Erinnerung. Es ist nicht mal ein separater Satz. «Ich falle mir schwer, dafür können die andern nichts […]», und gleich wieder selbstbezügliches Zeug, das ich nicht wissen will. Schade, es hätte mir so gut gefallen. So muss ich mich denn an anderes halten, an die ungeschminkten Urteile über Andersch, Grass, Johnson, an die Analysen zur verkommenen Stimmung in der DDR. Aufschlussreich. Scharf beobachtet. Ein Buch aus der Vergangenheit.
 

Dienstag, 25. Februar 2014

Hund hat Plastikfolie gegessen. – Es gibt Internetseiten, die man prämieren müsste. Zum Beispiel das Hund-Katze-and-Hamster-Forum von www.kleiderkreisel.de. Stichwort «Hund hat Plastikfolie gegessen».

A:
«Wie es aussieht, hat sich mein Berner heute morgen eine Ecke Weichkäse mitsamt der Frischhaltefolie reingezogen. […] Ich hoffe nun, dass die Folie bis morgen früh wieder raus kommt.»

B:
«Ja, mein Ridgeback mag gern Strümpfe, die dann wieder ausgesch....werden, bisher problemlos.»

C:
«Mein Urlaubshund frisst Tennisbälle und Kappen komplett auf. Sehr kurios.»

D:
«Also der Hund eines Freundes hat auf den Hauspartys immer die Kronkorken geklaut und gefuttert – kamen immer im ganzen wieder raus.»

E:
«Einmal Ohrenstöpsel -> wäre fast gestorben.
«Einmal Hefeteig -> Hund ging wirklich auf wie ein Hefekuchen.»

F:
«Kennt ihr diese kleinen faltbaren Ballerinas für die Handtasche? Er hat beide gefressen. Und jeweils einen in jede Richtung wieder ausgeschieden.»

G:
«Mein rottweiler hat damals ungelogen eine komplette auseinandergewickelte mullbinde gefressen, ich weiß ja nicht wieviel meter das so sind, aber es kam vorne und hinten wieder raus, ohne irgendwelche komplikationen und das auch recht schnell.»

H:
«Rohes Sauerkraut geben. Das wickelt sich drum und alles kommt komplett wieder raus. Mein Hund hat mal einen kompletten Futterbeutel geklaut und gefressen - inkl. Reißverschluss. Ist alles wieder gekommen.»

A:
«Danke, ihr macht mir Mut.»
 

Mittwoch, 26. Februar 2014

Nochmals zu Hund hat Plastikfolie gegessen. (Gott, Hund und Blogger mögen mir verzeihen).
Eigentlich habe ich bloß im Internet nach einem Beleg gesucht für die in meinem Volksschul-Singbuch fehlende Appenzellerlied-Strophe:

Min Vatter isch en Appezeller
trü-oi tü-oi tü-oi-do
Er frisst der Chäs mitsamt em Teller
trü-oi tü-oi-do.