Tagebuch - September/Oktober 2016

Mittwoch, 21. September 2016

shanghai gasse

Shanghai – Singvögel unter Strom

 

Dienstag, 20. September 2016

Shanghai Pudong

Shanghai / Pudong – Kein Fake!

 

Montag, 19. September 2016

Das Forschungszentrum für Manuskripte chinesischer Autoren an der Jiaotong-Universität veranstaltet in Shanghai eine "Internationale Konferenz zur Manuskriptforschung". Ich habe das unverdiente Glück, eingeladen zu sein, und versuche, den (trotz der 'Internationalität') fast ausschliesslich chinesischen Teilnehmern etwas über die historisch-kritischen Ausgaben von Gottfried Kellers und Kuno Raebers Werken zu erzählen. Ort des Geschehens: das Lu Xun Museum. Lu Xun bedeutet den Chinesen das, was den Schweizern vielleicht Gottfried Keller bedeuten würde, wenn die Eidgenossen eine vergleichbare Art der Personenverehrung kennen würden. Lu Xun werden Monumente, Museen, Inschriften, Gärten, Werk- und Briefausgaben geweiht. Lu Xun ist der Gegenstand unzähliger Anekdoten und sein Werk ein Quell unerschöpflicher Exegesen. Die  Exegeten aber, die Philologen, diskutieren, wie es scheint, voll des Eifers und der Lust über die Schriften des Meisters, über deren Überlieferung und Überlieferung der Überlieferung. Und niemand, der es miterlebt, würde solchen Eifer hemmen wollen (wenn er denn könnte).

 

 

Samstag, 10. September

Im übrigen schreibe ich lieber über Würmer als über Handys.

 

Donnerstag, 8. September 2016

wurm1

Seit ich ihren Kunstwerken zum ersten Mal begegnet bin, wollte ich über sie schreiben. Sie stellen sie aus, millionenfach über das ganze Watt verstreut, ohne sich selber, als die Urheber, je zu zeigen. Von den Würmern rede ich, die sich in den von ihnen ausgestoßenen Sandhäufchen abbilden. Von den Würmern rede ich, die in ihren unterirdischen Gängen hausen und, Unmengen von Sand ansaugend, sich einverleibend und wieder entäußernd, in Jahresfrist das ganze Nordsee-Watt um- und umgraben. Von den Würmern, die vielleicht ihrer eigenen Hässlichkeit wegen sich der Ästhetik verschrieben haben und Kunstwerk nach Kunstwerk produzieren, zugleich die nützlichste Arbeit verrichtend. Soll ihnen das einer nachmachen!

wurm3wurm4

 

Mittwoch, 7. September 2016

Aus dem Herzen gesprochen: Die Verluderung der Literaturkritik (Bucheli), NZZ Feuilleton, 7. Sept. 2016. Über den Schweizer Literaturclub, die Heidenreich und Denis Scheck:

"Dort die Brüll-Kritik, hier die Schleim-Kritik, beides müsste man nicht ernst nehmen, wäre die Wirkung nicht so verheerend, denn die Kritik selbst wird damit beschädigt."