Tagebuch 2013

Donnerstag, 5. Dezember

Bücher. Jedes Buch, das aus dem Rahmen fällt, ist fast schon eine Wohltat.

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Basler Ausgabe im Strœmfeld-Verlag.

Faksimile-Druck der Ausgabe letzter Hand, unverkleinert, auf festem Papier, die Seiten mit den von Nietzsche verordneten schwarzen Textumrandungen: «so ist es einer Dichtung würdiger». Es fällt schwer, ziemlich sehr schwer, sich die Person Nietzsche als Autor dieser imperialen, hemmungslosen Sätze vorzustellen. Das Nietzsche-Zarathustra-Ich möchte ich weder zum Freund noch zum Feind gehabt haben.
Es hat allerdings etwas enorm Befreiendes, wenn einer es sich kraft seiner Rhetorik leisten kann, der political correctness die Stirn zu bieten.
 

Freitag, 6. Dezember

Schlagzeilen (NZZ):

  • Nelson Mandela gestorben (NZZ, 7.12.: «Ein Held ist gefallen»)
  • Xaver fegt über Nordeuropa
  • Genfer Politiker wollen Kiffer-Klubs
  • Raus aus Deutschland


Heute-Show. Die ZDF-Freitags-Satire-Sendung fällt mit so erbarmungsloser Unverschämtheit über die deutschen Politiker her, dass sich das vergleichbare Schweizerprodukt (Giaccobo & Co.) wie eine Wohlfühlveranstaltung dagegen ausnimmt.
 

Samstag, 7. Dezember

Ausflug nach St. Gallen, wo ich die vier Jahre meiner Mittelschulzeit verbrachte. Diese Stadt ist völlig aus meinem topographischen Gedächtnis verschwunden. Ich kenne die Straßennamen nicht mehr, weiß nicht, wo die Buse hinfahren, habe noch nie etwas vom Botanischen Garten gehört und rätsle, in welcher Richtung Rotmonten liegen könnte. Es muss etwas zutiefst Traumatisches geschehen sein, an das ich mich aber auch nicht zu erinnern vermag.
 

Sonntag, 8. Dezember

Schlagzeilen (Blick online):

  • Saar tunnelt Aarau ins Elend (betrifft Luzerns Fussballsieg über Aarau)
  • Auto schiesst Töff ab / 71-Jähriger schwebt in Lebensgefahr

Dagegen kann die gute alte Tante NZZ nicht ankommen. Sie agiert subtiler. Auch ihre Gehässigkeiten sind subtiler und kommen, umso perfider, oft im Gewand der Sachlichkeit daher. Zum Beispiel, wenn sie, auf dem außenpolitischen Terrain, den Kalten Krieg gegen die Chinesen anheizt.

Montag, 9. Dezember

Tiefschwarze Nacht schon vor 18 Uhr. Und niemand wehrt sich dagegen!

Stimmt überhaupt nicht! In allen Einkaufsstraßen hängen sie schon, die Lichterketten, und leuchten die Finsternis aus. Die drunter hetzen hin und her, als ob ihnen doch die Dunkelheit lieber wäre.
 

Dienstag, 10. Dezember

Es bleibt dabei: Der Sport und die Börse provozieren zu den einfallsreichsten Schlagzeilen, jedenfalls die NZZ. In beiden Branchen braucht man – obwohl doch gerade hier genaue Daten das A und O aller Dinge sind – nicht unbedingt zu wissen, worum es geht. Eine vage Vorstellung genügt.

Sysco beisst kräftig zu

Dass Sysco kein Hund ist, kann sich der Dümmste denken. Dass irgend ein Konzern oder ein Finanzinstitut sich wie ein räudiger Hund benimmt, bejaht auch der Reflektierteste gerne. Im konkreten Fall geht es um einen Catering-Konzern, der sich ein Plus von 9,7% (was auch immer) ergattert hat. Reicht doch!