Tagebuch 2014

Sonntag, 9. Februar 2014

Dieses Wochenende war ich in Edenkoben und habe einen pfälzischen Winzerteller verspeist: Bratwurst, Saumagen und Leberknödel. Am Sonntagmorgen spannte sich ein prächtiger Regenbogen übers ganze Rebgebiet, friedekündend und gleichsam wohlgenährt, als wollte er sagen: Wünsche, gut gespeist zu haben!

Den Appetit verdorben hat es mir erst am Abend zu Hause, als ich die Abstimmungsresultate zur Einwanderungsinitiative serviert bekam.

 

Dienstag, 11. Februar 2014

Endlich! — «Physikern der Universität Basel ist es gelungen, in einem Quantendraht eine spontane magnetische Ordnung von Kern- und Elektronenspins bei Temperaturen von 0,1 Kelvin zu beobachten. Bisher war dies meist erst bei Temperaturen im Mikrokelvin-Bereich möglich.»

Die Erklärung:

«Die Erklärung, weshalb eine Kernspinordnung schon bei 0,1 Kelvin möglich ist, liegt darin, dass die Kerne der Gallium- und der Arsenatome in Quantendrähten an die Elektronen koppeln und diese wiederum auf die Kerne rückwirken. Durch diese Kopplung verstärkt sich die Wechselwirkung zwischen den magnetischen Momenten, was zur Ordnung der Kern- und Elektronenspins führt. Diese wird zusätzlich durch den Umstand stabilisiert, dass sich die Elektronen in den eindimensionalen Quantendrähten nicht ausweichen können, wodurch sie stark miteinander wechselwirken.» Super!
(Universität Basel, Uni Research, 11.2.2014)
 

Mittwoch, 12. Februar 2014

Jetzt weibeln sie wieder, die Köppels und Mörgelis, in den deutschen Medien, als die Statthalter der schweizerischen Demokratie. Wohl bekomm's, meint Johann Peter Hebel im Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes:

Noch kein Mensch ist in unsern Gegenden von einer Spinne vergiftet worden. Gibt es nicht hie und da Leute, die sie aufs Brot streichen und verschlucken? Wohl bekomm's, wem es schmeckt!

 

Freitag, 14. Februar 2012

Schon wieder Der bleiche König. Immer noch Der bleiche König. Ein irres Buch. Absolut rücksichtslos. Wie die Homepage von Herzog & de Meuron (www.herzogdemeuron.com): Ich bin der König. Wer etwas von will, soll sich bemühen!

Zeit braucht das Buch, vermutlich mehr als ein Literatur(club)kritiker, der darüber zu urteilen hat, dafür einsetzen kann. Es ist darauf angelegt, dass man sich im Gewebe verheddert und sich immer wieder freistrampeln muss. Man sehnt sich nach dem Kapitelende und möchte doch, dass das Buch nie aufhört.
 

Donnerstag, 20. Februar 2014

Max Frisch wundert sich mit 62 Jahren, «kein körperliches Gefühl davon» zu haben, «dass es in wenigen Jahren zu Ende ist». (Aus dem Berliner Journal, Berlin: Suhrkamp 2014, S. 56). So was von schriftstellerndem Hypochonder! Gestorben ist er mit 80.

Besorgt hab ich mir das aus Frischs Nachlass veröffentlichte «Berliner Journal», auf das ich überhaupt nicht spitz war, wegen eines einzelnen Satzes – immer diese herausgepickten Sätze! –, über den ich beim Stöbern in der Buchhandlung gestolpert bin und den ich jetzt nicht mehr finde. Er muss auf einer ansonsten leeren Seite gestanden haben. Er lautete: «Ich falle mir schwer.»
 

Freitag, 21. Februar 2014

Das mit dem einen Satz («Ich falle mir schwer») auf der separaten Frisch-Seite (vgl. 20. Febr.) war ein Irrtum, eine Wunsch-Erinnerung. Es ist nicht mal ein separater Satz. «Ich falle mir schwer, dafür können die andern nichts […]», und gleich wieder selbstbezügliches Zeug, das ich nicht wissen will. Schade, es hätte mir so gut gefallen. So muss ich mich denn an anderes halten, an die ungeschminkten Urteile über Andersch, Grass, Johnson, an die Analysen zur verkommenen Stimmung in der DDR. Aufschlussreich. Scharf beobachtet. Ein Buch aus der Vergangenheit.