Tagebuch 2016

Montag-Mittwoch, 15.-17. Februar 2016

Fasnacht. – Die drei schönsten Tage! Und jedes Jahr noch schöner. Wann aber werde ich es endlich schaffen, den Humor des Basler Humors zu begreifen?

 

Montag, 22. Februar 2016

raeberheftSoeben erschienen: das Heft über Kuno Raeber in Text+Kritik (Nr. 209).

Mit 13 Beiträgen über Lyrik, Prosa und Tagebücher, über den Nachlass und die neu entstehende Online-Edition der Gedichte.

 

[…] Einst
wirst du mich suchen. Einst
bleibt von mir nur noch die Stimme.

FLUSSUFER (1963): Zikade

 

 

Montag, 29. Februar 2016

Schalttag an der Unibas. – Seit Jahren wieder mal an der Alma Mater (so heißt das doch auch in Basel, obwohl der kahle Bau am Petersplatz ja nullkommanull Alma-Mater-Aura bietet). Ringvorlesung rund um den Strœmfeld-Verlag. KD Wolff erzählt, in leisem Ton, fast unbewegt, von den Aufbruchs-, Ideologie- und Kämpferjahren der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. SDS, Häuserbesetzung, Strafverfahren (38 etwa, die mit Willy Brandts Demonstrationsamnestie allesamt – schwupps! – vom Tisch waren). KD erzählt, in leisem Ton, mit so vielen Satzpausen, dass man sich zum Mitformulieren und Weiterhelfen gedrängt fühlt. Mitgegangen, mitgefangen! Alte Strategie. Der Vortrag endet am Schicksalspunkt, wo der Verleger endlich zum Verleger wird: dank Hölderlin. Roter Stern. Strœmfeld. Jetzt hätten die Autoren (tot und lebendig) und die Herausgeber das Wort. Die Zeit ist um. Fortsetzung folgt. Jeden Montag an der Alma Mater am Petersplatz.

 

Freitag, 2. September 2016

Lektüre:

da
standen
nun
koloss
und
       sein
       fistelnder
       bruder
       foloss
       dicht
sandstein an mullstein

foloss war fodisch gekleidet
koloss blieb ungeshungt
 

(Dagmara Kraus)

Sicherlich gehört zu einem angemessenen Verständnis dieses Gedichts die Kenntnis der vorangegangenen Gedichte zumindest des Zyklus "mulle" aus dem roughbook Nr. 036 (urs engeler editor). Verraten sei nur so viel, dass der Mull, der zur angestrebten Vermullung alles Altägyptischen Verwendung fand, von dem chinesischen Händler GONG GO SHUNG geliefert wurde, der "just for der formullung" des zweiten Kolosses "foglückte" (vermutlich verunglückte), so dass eben dieser zweite Koloss, wie das zitierte Gedicht berichtet, ungeshungt blieb.

 

 

Sonntag, 4. September 2016

G20-Gipfel in Hangzhou. Das notiere ich nicht, weil mich der Gipfel der Gipfel interessieren würde – eben haben alle weit mehr als 20 Teilnehmer, einer nach dem andern den langen, fahnenflankierten Saal durchschritten, um in dessen (vermutlicher) Mitte dem Gastgeber Xi Jinping die Hand zu schütteln und ihm, dem keine Miene Verziehenden, mit forciertem Lächeln ein Dankeschön entgegenzustrahlen –, nein, bei Gott, nicht weil mich das gefrorene Spektakel und dessen Akteure interessieren würden, notiere ich dies, sondern weil ich vermutlich bald selbst in jenem Hangzhou sein werde, wo sich mir alsdann vielleicht etwas von dem Geheimnis offenbaren wird, das hinter diesem (wie allen) chinesischen Namen sich verbirgt.

Dienstag, 6. September

Basel Abendstimmung

Bsel – as usual